Trainingslager Hyères 2012

Um einer jahrelange Sehnsucht vom Segeln im Mistral und mediterranen Wellen nachzukommen, hat Arne Winkelmann zusammen mit Marco und Bianca Grübbel vom 3. bis zum 14. April 2012 ein Trainingscamp in Südfrankreich organisiert. Neben den Betreuern fuhren sieben Jugendliche auf die Ile de Giens, um ihrerseits vom Segeln unter Optimalbedingungen begeistert und gleichfalls sehnsüchtig zu werden. Leon Müldner berichtet:

 

Endlich Wind …

Schon lange vor unserer Abreise habe ich mich auf unseren Segeltrip gefreut – sollte ich doch zum ersten Mal auf dem Meer segeln! Treffpunkt war am ersten Dienstag in den Osterferien. Wir hatten davor schon beim Bootstransport aus dem Winterlager die Hänger beladen – wir, also Nora Werner, Jens Friedmann, David Andres, Aiken Genazino, Henrik Grübbel sowie seine Schwester Yasmin und seine Eltern Bianca und Marco, die uns tatkräftig unterstützten und ohne die dieses Trainingslager gar nicht hätte stattfinden können, unser Trainer und Mentor Arne Winkelmann und ich, Leon Müldner. Nachdem wir das Gepäck auf die zwei Autos verstaut hatten, ging es auch direkt los. Eine lange Nachtfahrt bis nach Frankreich stand uns bevor …

Nach einigen Zwischenstopps und etwas übernächtigt erreichten wir am Mittwochmorgen unseren Campingplatz auf der Ile de Giens bei Hyères. Wir bezogen unsere beiden Mobile Homes, die jeweils aus drei Doppelzimmern einem Wohnzimmer mit Küche und einem Bad bestanden. Es war alles Nötige da, aber eben doch recht eng. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, schauten wir uns die Umgebung und unser Segelrevier für die nächsten Tage an. Den restlichen Tag nutzten wir, um im strömenden Regen unsere Laser abzuladen.

Unser Unterstützungsteam Bianca und Marco Grübbel halfen uns in vielen Dingen. Marco begleitete uns beim Training mit dem roten Schlauchboot und passte auf uns auf. Als wir am dritten Tag von einem überraschend aufgekommenen Mistral verblasen wurden, hat sich das auch wirklich bewährt. Bianca als „Back office“ kochte abwechslungsreich und lecker für uns so, dass auch immer alle satt wurden.

Unsere Tage liefen nach folgendem Schema ab: Aufstehen um 8 Uhr, gegen 8:30 Uhr Frühstück danach schnellst möglich aufs Wasser, wobei in den kalten und nassen Neoprenanzug einzusteigen jedes Mal neu Überwindung kostete. Nach zwei bis drei Stunden Training Anlanden zum Mittagessen mit einer kleinen Mittagspause im Anschluss. Danach wieder Segeln bis zum Abendessen. Dann erst Feierabend und Freizeit. Wir alle genossen das abendliche Beisammensitzen, bei dem wir uns gut unterhielten und uns über viele Themen austauschten.

Wir hatten relativ gutes Wetter. Der Wind wechselte von einem mäßigen Lüftchen an einem Tag zu sehr starken Wind am anderen Tag. Uns machte vor allem der Raumschotkurs Spaß, bei dem wir, mit für uns noch nie erlebten Geschwindigkeiten vor Freude schreiend über die Wellen surften. So lange Gleitfahrten hatte ich noch nie! Die Gischt spritzte, das man kaum Luft bekam, das Ruder vibrierte, der Lenzer saugte röhrend Luft und das Boot brummte und quietschte vor sich hin … es war großartig! Die Wellen machten uns anfangs zu schaffen, da sie einen auf der Kreuz immer wieder leicht ausbremsten, doch mit der richtigen Technik konnte man das verhindern. Hierzu musste man kleine Schlangenlinien fahren, die Welle rauf anluven und die Welle runter abfallen. Es dauerte eine Weile bis man den Rhythmus raus hatte. Auch Yasmin segelte in ihrem Opti fleißig mit.

Wenn der Wind etwas schwächer war, segelten wir zur Insel Poquerolles, mit ihren alten Forts und Leuchttürmen an den Kaps. Besonders spektakulär war ihre steile Felsküste. An der östlichen Inselspitze ragten zwei hohe, schroffe Felsen aus dem Wasser und bildeten ein Nadelöhr, das einen beim Hindurchsegeln doch ganz schön zusammenschrumpfen ließ und sich Respekt verschaffte.

Wenn der Mistral zu stark blies, nutzten wir die Zeit für Städtetouren. In Hyères besichtigten wir unter Arnes fachmännischer Leitung architektonische Besonderheiten der Stadt und in Toulon besuchten wir das Marinemuseum. Wir waren auch in St. Tropez, das einen großen Yachthafen, eine schöne verwinkelte Altstadt und eine alte Zitadelle zu bieten hat.

Am letzten Tag veranstalteten wir eine Regatta, die aus drei Läufen bestand. Die Bojen lagen so weit auseinander, dass man sie gar nicht sehen und man anfangs nur ungefähr darauf zu halten konnte bis sie endlich in Sichtweite kamen. Diese Regatta war für mich dadurch eine besondere Erfahrung und ein komplett anderes Wettfahrtgefühl als in Otterstadt. Dies war mal wieder ein besonders langer und anstrengender Tag! Gewonnen hat Henrik und er wird den Pokal kriegen, der aus einem Fundstück gebastelt wird, das ich als Erinnerung aus dem Meer gefischt habe.

Am Abfahrtstag gingen wir morgens noch ein letztes Mal raus. Wir alle waren schon sehr geschafft von den letzten Tagen, doch alle wollten sich angemessen von diesem schönen Segelrevier verabschieden. An Land mussten wir nun doch packen, die Häuser reinigen und die Boote wieder auf dem Hänger befestigen. Niemand wollte wirklich gehen, doch uns blieb nichts anderes übrig …

Mir, und ich denke allen anderen auch, hat in den nächsten Tagen danach einiges gefehlt: natürlich das schnelle Segeln, aber auch in den nassen Neoprenanzug einzusteigen, den lästigen Sand in den Klamotten sowie das befriedigende Gefühl satter Müdigkeit, das man nach einem langen Tag auf See hat ...

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht und brachte mir wertvolle Erfahrungen. Es war genial, mal mit richtig viel Wind und Welle zu segeln und nicht wie in Otterstadt vor sich hin zu dümpeln. Dieses Trainingslager hat mich weiter heiß auf Lasersegeln gemacht! Ich kann jedem nur empfehlen, eine solche Reise zumachen, gerade den jungen nicht so erfahrenen Seglern. Ich freue mich schon auf ein nächstes Trainingslager.

 

Leon

 

Action Video Hyères
von Henrik Grübbel
SVM Laser Sailing Training Camp Hyeres 2
Flash Video 26.3 MB